Geschichte
Vorzeit und Gründung
Man schrieb den letzten Tag im Juni
des Jahres 1960, als sich siebzehn wackere Männer um Valentin
Müller im Gasthof Löwen zu Gontenschwil an etwas wagten, was schon
mindestens zwei Mal vorher zum Scheitern verurteilt war: Die
Gründung einer Musikgesellschaft.
Bereits um 1900 hatte sich nämlich erstmals eine solche,
"Zwätschgemusig" genannt, formiert. Auf dem Dachstock vom
"Hübeli-Walter" ist sogar vor einigen Jahren noch ein Protokoll
dieser Formation aufgetaucht, das ganz interessant anzuschauen ist.
Anzuschauen darum, weil die "Jahrhundertwende-Schönschrift" zwar
wirklich sehr ansehnlich ist, für heutige Generationen jedoch
ziemlich unlesbar bleibt. Was wir jedoch entziffern konnten: Zu
Beginn finden sich fein säuberlich und in Tinte detaillierte
Auflistungen zur besagten Musikgesellschaft. Die Eintragungen
werden mit der Zeit spärlicher, es folgt der Wechsel auf Bleistift,
später sind sogar noch Passagen über einen Turnverein vermerkt ,
zum Schluss folgen nur noch leere Seiten. Die Zwätschgemusig war
irgendwann vor 1920 gestorben, weshalb und warum entschliesst sich
leider unserer Kenntnis. Noch weniger ist über den zweiten Anlauf
bekannt, welcher um 1940 herum genommen worden sein soll. Lange
überlebt hat jedenfalls auch diese Gontenschwiler MG nicht.
Den Anstoss dazu, es im Moränendorf nochmals mit einer "Musig" zu
versuchen, liefert die folgende Anekdote: In den 1950er-Jahren
kehrten die Gontenschwiler Turner jeweils zusammen mit Ihren
Wynentaler Kollegen mit der WTB von Turnfesten heim. In jedem Dorf
hielt das Tram, und die glorreichen Männer wurden von der örtlichen
Musikgesellschaft standesgemäss empfangen. Nur in Gontenschwil
standen zwar Eltern, Freunde und Bekannte am Perron, doch kein
schmissiger Marsch wurde zu Ehren der Rückkehrer vorgetragen. Dies
führte natürlich zu Spott und Gelächter seitens der Oberwynentaler
Turnkollegen, welche sich dieses Schauspiel mit schöner
Regelmässigkeit anschauen durften. Und so reifte bei den
Gontenschwilern die Erkenntnis: So konnte es nicht weitergehen!
Unter der Leitung von René Holliger wurde flugs ein Aktionskomitee
zur Gründung einer Musikgesellschaft zusammengestellt. Um dem
Verein auf die Sprünge zu helfen, wurden auch einzelne Musikanten
aus umliegenden Gemeinden zugezogen. Die Männer wussten genau, dass
der Schatten des Scheiterns auf ihnen lastete, und so wurde mit dem
Probenbetrieb schon vor der eigentlichen Vereinsgründung begonnen.
Erster Dirigent war Max Wyss, welcher aber schon zur
Gründungsversammlung sein Amt wegen Wegzugs niederlegte. Ersatz
wurde in Urs Richner aus Zetzwil gefunden. Der in den Statuten
festgehaltene Zweck des Vereins, die Pflege und Hebung der
Blasinstrumentalmusik und Förderung des geselligen Lebens, gilt
unverändert noch heute.
Die Anfänge

Bereits an der Gründungsversammlung
wurde darüber diskutiert, ein Baumgartenfest abzuhalten, was aber
von der Mehrheit als zu verfrüht abgelehnt wurde. Den ersten
Auftritt hatte der junge Verein dann im September 1960 an der
75-Jahr-Feier des Turnvereins, wo er von der Dorfbevölkerung
begeistert aufgenommen wurde. Erste Ständchen und die Aufnahme in
den Aargauischen Musikverein folgten. Das bereits erwähnte
Aktionskomitee wurde mit der Geld- und Instrumentenbeschaffung
beauftragt. Dabei liess man sich nicht lumpen und bestellte
englische Instrumente direkt beim Hersteller Besson. Als
Vermittlerin amtete dabei die Bürgermusik Luzern.
Am 12. Februar 1961 folgte dann die erste richtige Bewährungsprobe:
Ein eigener Unterhaltungsabend wurde durchgeführt, jedoch noch
unter freundlicher Mithilfe der MG Zetzwil. Im selben Jahr zeigte
sich der junge Verein auch das erste Mal ausserhalb des Dorfes, am
Musiktag in Zetzwil. Mit der Wahl von Friedrich Würgler zum
Präsidenten wurde der Grundstein für eine bis heute anhaltende
Dynastie gelegt. Weiter wurde die erste Musikreise durchgeführt
sowie der zukunftsträchtige Beschluss gefasst, am Jahreskonzert
auch ein Theater aufzuführen.
Etablierung

Die folgenden Jahre verliefen für
den Verein sehr erfolgreich. 1962 wurde das erste Waldfest im
Brünnelichrüz durchgeführt, 1963 die Vereinsfahne in Empfang
genommen, und 1966 konnten sich die Musikanten in standesgemässen
Uniformen präsentieren. Es werden kantonale Musiktage und -Feste im
Jahresrythmus sowie das "Eidgenössische" in Aarau besucht, und
erfolgreich Ständli, Abendunterhaltungen und Waldfeste
durchgeführt. Der Mitgliederbestand nimmt dabei stetig zu und
erreichte Anfang der 70er-Jahre mit über 30 Mitgliedern ihren
Höhepunkt. 1972 wurde die Besetzung auf original englische Brass
Band umgestellt, noch vor den heute bekannten regionalen Vertretern
dieser Stilrichtung. Ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte war sicher
die Durchführung eines eigenen Musiktages im Jahr 1974. Doch auch
erste Krisen hatte der Verein zu überstehen, so beispielsweise, als
1977 gleich sieben Mitglieder und der Dirigent den Austritt
erklärten. Auch Probenbesuch und Kameradschaft hatten mitunter zu
leiden, was sogar dazu führte, dass ein Votant an der GV 1982 den
Restaurantbesuch nach der Probe für obligatorisch erklären wollte.
Der Mitgliederbestand sinkt unter 20, und die Proben werden auf
einmal wöchentlich beschränkt.

Den Rückschlägen zum Trotz kann
1985 das 25-jährige Jubiläum beschritten werden, der dritte Versuch
einer Gontenschwiler Musikgesellschaft war also endlich von Dauer.
Die darauffolgenden Jahre verliefen eher ruhig, auch die Teilnahmen
an Wettspielen wurden seltener.1989 beschloss man aufgrund des
anhaltenden Mitgliedermangels, den Verein auch wieder für
Holzblasinstumente zu öffnen. Für einige Jahre brachte diese
Massnahme auch den erhofften Erfolg, zu Beginn der 90er-Jahre
spielten wieder über 30 Aktive mit. Mit der Zeit pendelte sich die
Mitgliederzahl jedoch um 20 ein.